Anleihen

Nachdem wir uns beim letzten Mal mit den trendigen, aber auch sehr risikoreichen Kryptowährungen auseinandergesetzt haben, werden wir heute wieder etwas bodenständiger und schauen uns das Thema „Anleihen“ genauer an. Der Börsenguru André Kostolany, den ich ja schon häufiger zitiert habe, sagte zum Thema Anleihen: „Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, bevorzugt Aktien.“ Das zeigt schon, was man mit Anleihen verbindet: Sicherheit, wenig Risiko, aber auch eine überschaubare Rendite. Ich kann schon einmal vorwegnehmen, dass das nicht unbedingt stimmt. Aber schauen wir uns zunächst erst einmal an, was Anleihen überhaupt sind.

Was ist eine Anleihe?

Anleihen werden im Deutschen auch Rentenpapiere oder Schuldverschreibungen genannt. Im Englischen spricht man von Bonds. Herausgegeben werden sie vorwiegend von Firmen oder Staaten. Formal gesprochen sind es verbriefte Forderungsrechte, die am Kapitalmarkt platziert und gehandelt werden. Was bedeutet das nun? Vereinfacht gesagt, leiht man einem Unternehmen oder einem Staat Geld und bekommt dafür einen bestimmten Zinssatz. Man wird also zum Gläubiger und das Unternehmen zum Schuldner. Wenn du eine Anleihe kaufst, dann verpflichtet sich das Unternehmen zu zwei Dingen: Zum einen muss es dir am Ende der Laufzeit den Wert der Anleihe zurückbezahlen und es muss dir während der Laufzeit zu bestimmten Zeitpunkten Zinsen bezahlen. Anders als bei Aktien wirst du aber nicht Mitinhaber des Unternehmens. Du bekommst also weder eine Dividende noch Stimmrechte.

Für die Ausgestaltung einer Anleihe gilt die Vertragsfreiheit. Das heißt, dass die Anleihebedingungen die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anleihe sind. Das gilt sowohl für die Stückelung als auch für die Laufzeit oder den Zinssatz.

Je nach dem, wen das Unternehmen als potentielle Käufer anlocken möchte, kann die Stückelung einer Anleihe sehr unterschiedlich sein. Wenn ein Unternehmen beispielsweise 50 Millionen Euro durch eine Anleiheemission einnehmen möchte, dann kann es sowohl 50 Anleihen à 1 Millionen Euro als auch 500.000 Anleihen à 100 Euro ausgeben. Letztlich ist ihr das freigestellt. Während eine Anleihe mit 100 Euro Nennwert jedoch auch für Kleinanleger interessant sein kann, kommen bei Anleihen für 1 Million Euro primär institutionelle Anleger in Frage.

Da auch die Laufzeit von Anleihen frei bestimmt werden, sind die Unterschiede entsprechend groß. Sie reichen von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Von langfristigen Anleihen spricht ungefähr ab einer Laufzeit von 8 Jahren. Es gibt sogar Anleihen mit unendlicher Laufzeit, sogenannte Perpetual Bonds.

Der Coupon

Der Zins wird bei Anleihen Coupon genannt. Das hat folgenden Hintergrund: Heute werden Anleihen wie Aktien elektronisch gehandelt. Als man aber noch mit physischen Anleihen gehandelt hat, bestand eine Anleihe aus zwei Elementen: Dem sogenannten Mantel und dem darin eingelegten Bogen. Im Mantel waren die Forderungsrechte verbrieft. Er stellte damit die eigentliche Schuldurkunde dar. In den Mantel eingelegt wurde der Bogen der aus Zinscoupons und einem Erneuerungsschein, dem sogenannten Talon, bestand. Um eine Zinszahlung zu bekommen musste man einen Coupon ausschneiden (couper: französisch für schneiden) und ihn an die Zahlstelle des Unternehmens schicken. Jeder, der also einen Zinscoupon vorgelegt hat, hatte Anspruch auf die Zinszahlung. Waren alle Zinscoupons aufgebraucht, bekam man mit dem Talon neue ausgehändigt.

Auch die Art des Coupons kann frei bestimmt werden. Der Normalfall ist eine festverzinsliche Anleihe. Das bedeutet, dass der Zinssatz während der gesamten Laufzeit gleichbleibt. Angegeben ist er im Normalfall in Prozent. Das hat für dich als Anleger den Vorteil, dass du große Planungssicherheit hast: Sowohl was die regelmäßigen Zinsszahlungen angeht als auch den Zeitpunkt der Rückzahlung. Im Normalfall werden die Zinsen jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich zurückbezahlt.

Es gibt aber auch Anleihen mit Coupons, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt verändern. Man sprich von sogenannten Stufenzinsanleihen. Bei variablen Anleihen, sogenannten Floatern, hängt die Entwicklung des Zinses von einem vorher festgelegten Referenzzinssatz ab. Das sind oft der europäische Interbankenzinssatz EURIBOR oder das britische Pendant LIBOR. Je nach dem als wie sicher der Emittent angesehen wird, kann auf diesen Zinssatz auch ein Auf- oder Abschlag gewährt werden. Der Zinssatz der Anleihe liegt dann immer mit einem festgelegten Abstand über oder unter dem Referenzzins.

Börsennotierte Anleihen

Grundsätzlich kann zwischen Inhaber- und Namensschuldverschreibungen unterschieden werden. Bei Namensschuldverschreibungen läuft die Anleihe auf eine bestimmte Person und kann nicht an der Börse gehandelt werden. Die Regel sind aber die sogenannten Inhaberschuldverschreibungen. Das bedeutet, dass die Anleihe als Wertpapier verbrieft wird und damit an der Börse gehandelt werden kann. Du kannst also deine Anleihe mit dem festgelegten Zinssatz an andere Akteure verkaufen oder dir an der Börse Anleihen von anderen Akteuren kaufen. In der Praxis müsstest du also ein Wertpapierdepot bei einem Broker eröffnen und könntest dann über diesen deine Wunschanleihen kaufen.

Sobald eine Anleihe an der Börse platziert wurde bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Das heißt, dass eine Anleihe die den ursprünglichen Nennwert 100 Euro hat an der Börse auch 105 oder nur 95 Euro kosten kann.

Eine Besonderheit auf dem Anleihenmarkt, dass der Preis einer Anleihe nicht in Euro oder Dollar notiert wird, sondern in Prozent des Nominalbetrags. Eine 100 Euro Anleihe kostet also nicht 95 oder 105 Euro, sondern 95 oder 105 Prozent. Das gilt natürlich auch für andere Stückelungen. Wenn eine Anleihe mit dem Nominalbetrag von 250 Euro bei 102% liegt, dann kostet sie dich 255 Euro.

Die Zinsen gibt es aber trotzdem nur auf den Nominalbetrag. In unserem Fall auf 100 Euro. Warum solltest du nun eine Anleihe mit der Stückelung 100 Euro für mehr als 100 Euro kaufen? Nehmen wir mal an, die 100 Euro-Anleihe ist mit 5% im Jahr verzinst. Wenn du also bei einem Kurs von 105% 105 Euro dafür bezahlst, dass musst du lediglich ein Jahr warten, um wieder bei null zu sein (5 Euro Zinszahlung + 100 Euro Nennwert).

Wie oben erwähnt wird nach Auslaufen der Anleihe der Nominalbetrag an den Inhaber der Anleihe zurückbezahlt. Also auch wer 105% für die die 100 Euro-Anleihe bezahlt hat, bekommt mit dem Auslaufen lediglich 100 Euro zurückbezahlt. Das führt dazu, dass gegen Ende der Laufzeit der Börsenkurs einer Anleihe immer gegen 100% tendiert. Das ist der sogenannte Pull-to-par-Effekt.

Wenn nun die Zinszahlungen der Hauptbestandteil der Rendite sind, wann solltest du eine Anleihe kaufen oder verkaufen? Letztlich ist das egal. Das liegt daran, dass die Zinszahlungen tagesgenau abgerechnet werden. Es werden nämlich die sogenannten Stückzinsen berechnet. Sie sind der Anteil einer Zinszahlung, der dem Besitzer seit der letzten Zahlung zusteht. Unmittelbar nach der Zinszahlung sind die Stückzinsen gleich null. Wenn beispielsweise für unsere 100 Euro-Anleihe jährlich 5 Euro Zinsen fließen, du die Anleihe aber genau zur Jahresmitte kaufst, dann steht dem Verkäufer noch die Hälfte dieser 5 Euro zu. Wenn du also eine Anleihe kaufst, dann musst du neben dem Börsenpreis, dem sogenannten Clean Price, auch die aufgelaufenen Stückzinsen bezahlen an den Verkäufer bezahlen. In unserem Fall sind das 2,50 Euro. Dafür gehören dann aber die kompletten 5 Euro an Zinszahlungen dir.

Staatsanleihen

Anleihen können nicht nur von Unternehmen ausgegeben werden, sondern auch durch Staaten, Länder oder Kommunen. Im Englischen werden sie Treasury Bonds genannt. Wie bei Unternehmensanleihen gibt es auch bei Staatsanleihen zwei Ansprüche gegenüber dem Emittenten: Die Rückzahlung des Nominalbetrags bei Fälligkeit der Anleihe und Zinszahlungen. Staatsanleihen werden im Normalfall nach ihrer Laufzeit unterteilt. Diese liegt für gewöhnlich zwischen 10 und 30 Jahren. Obwohl bei Staatsanleihen grundsätzlich keine Sicherheiten hinterlegt sind, gelten sie allgemein als vertrauenswürdig und der Staat als Schuldner mit hoher Bonität und einem geringen Ausfallrisiko. Daher sind die Zinsen auch vergleichsweise gering. Das heißt aber nicht, dass ein Staat nicht auch insolvent gehen kann. Hier wird dann politisch oft von einem „Schuldenschnitt“ gesprochen. Zuletzt war das in der EU im Jahr 2011 passiert. Hier gab es im Fall von Griechenland einen Schuldenschnitt von 50%. Die Anleger hatten damit zwar immerhin keinen Totalverlust, haben aber die Hälfte ihres eingesetzten Geldes verloren.

Sonderformen von Anleihen

Nun haben wir uns zunächst einmal die ganz klassische Anleihe eines Unternehmens oder eines Staates angeschaut. Es gibt aber auch einige populäre Sonderformen von Anleihen.

Wandelanleihen

Eine recht verbreitete Sonderform von Anleihen sind Wandelanleihen oder, auf Englisch, Convertible Bonds. Die Besonderheit besteht darin, dass der Halter ein Umtauschrecht der Anleihe in Aktien des Emittenten erhält. Entsprechend gibt es Wandelanleihen auch nur für Aktiengesellschaften. Das Wandelverhältnis definiert dabei die Anzahl der Aktien, die man pro Anleihe erhält. Der Vorteil für den Investor ist, dass er zunächst einmal die wirtschaftliche Entwicklung des Emittenten beobachten und analysieren kann und dabei die regelmäßigen Zinszahlungen erhält. Das Kursrisiko der Aktie hat er nicht, da er die Anleihe nicht umwandeln muss. Innerhalb der vorher festgelegten sogenannten Wandlungsfrist kann er dann die Anleihe in Aktien umwandeln. Diese beginnt im Normalfall nach einer festgelegten Sperrfrist. Für den Investor ist es natürlich umso besser, je kürzer und seltener diese Sperrfristen sind. Als Ausgleich für diese Vorteile ist im Normalfall der Coupon einer Wandelanleihe etwas geringer als der einer klassischen.

Entscheidend, ob sich der Umtausch lohnt, ist der Bezugspreis. Wenn wir also unsere 100 Euro-Anleihe in 20 Aktien umwandeln können, dann liegt der Bezugspreis bei 5 Euro pro Aktie. Sinnvoll, die Anleihe in Aktien umzuwandeln ist es in diesem Fall nur, wenn die Aktienkurs über diesen 5 Euro liegt. Wenn also der Aktienkurs den Bezugskurs übersteigt. Liegt der Aktienkurs darunter, dann ist es aus Investorensicht nicht rational, die Anleihe umzuwandeln, und mal lässt sich besser den Nennwert der Anleihe zurückbezahlen.

Der Bezugspreis entspricht also dem Geldbetrag, zu dem der Anleger sein Wandlungsrecht in die unterlegte Aktie ausüben kann. Zum Zeitpunkt der Emission der Wandelanleihe liegt dieser in der Regel über dem aktuellen Börsenkurs.

Pfandbriefe

Eine andere bekannte – und sehr traditionsreiche – Sonderform von Anleihen sind Pfandbriefe. Ihre Geschichte geht zurück bis zu Friedrich dem Großen. Wie der Name schon suggeriert, unterscheiden sich Pfandbriefe von normalen Anleihen dadurch, dass sie besonders besichert sind. Es muss also ein Pfand hinterlegt werden. Anders als andere Anleihen sind Pfandbriefe nicht vertraglich, sondern gesetzlich geregelt. Im Pfandbriefgesetz ist beispielsweise festgehalten, dass die Sicherungen im Fall einer Insolvenz der ausgebenden Bank nicht angegangen werden dürfen, sondern zunächst müssen die Forderungen der Pfandbriefgläubiger erfüllt werden. Daher gelten Pfandbriefe als sehr sicher. Die Sicherheiten bestehen meistens aus Grundschulden von Immobilien, Schiffs- oder Flugzeughypotheken oder Forderungen gegenüber dem Staat und Kommunen. Wie bei klassischen Anleihen können Pfandbriefe ganz unterschiedlich ausgestaltet sein. Sie können fest oder variabel verzinst sein und unterschiedliche Laufzeiten haben.

Wie sicher sind nun Anleihen?

Für Anleihen gelten zunächst genau dieselben Grundregeln am Kapitalmarkt wie auch für alle anderen Anlageformen. Höhere Renditen sind grundsätzlich nur durch höhere Risken zu erzielen. Es kommt letztlich auf die richtige Auswahl der Anleihen an.

Da Anleihen letztlich Kredite sind, werden sie als Fremdkapital und nicht wie Aktien als Eigenkapital behandelt. Das hat für den Schuldner einen großen Vorteil: Im Fall einer Insolvenz steht man im Rang vor den Aktionären. Das heißt, dass aus der Insolvenzmasse erst die Anleihen zurückbezahlt werden müssen, bevor Aktionäre auf eine Entschädigung hoffen können. Im Normalfall bedeutet für einen Aktionär die Insolvenz ein Totalverlust. Als Fremdkapitalgeber, hat man aufgrund des Vorrangs immerhin eine Chance auf eine Rückzahlung. Anders ist das bei Wandelanleihen. Da diese letztlich in einen Aktienbesitz münden können, ist man in der Rangfolge „normalen“ Teilhabern gleichgestellt.

Die Risiken können jedoch vielschichtig sein. Zunächst einmal gibt es das Kreditrisiko. Es besagt schlicht, dass ein Emittent schlicht nicht in der Lage sein kann, seinen Zahlungspflichten nachzukommen. Aber auch Bonitätsrisiken, also Veränderungen in der Bewertung eines Unternehmens können zu fallenden Kursen führen. Bei einer variablen Verzinsung können Zinsänderungen zu verringerten Zinseinnahmen führen. Wenn eine Anleihe besichert ist, kann sich der Wert der Sicherheit verringern oder falsch eingeschätzt worden sein. Wenn eine Anleihe in einer Fremdwährung aufgesetzt wurde, können Wechselkursverluste eintreten. Am wichtigsten ist aber das Solvenzrisiko. Damit verbunden ist nämlich die Frage, ob du als Anleger deine Zinsen und deinen Kapitaleinsatz am Ende der Laufzeit zurückbekommst.

Dass Anleihen risikofrei sind, kann man also beim besten Willen nicht sagen. Die entscheidende Frage ist aber, ob sich diese Risiken beherrschen lassen. Dazu muss man sich eine Anleihe etwas genauer anschauen.

Bewertung von Anleihen

Für den normalen Kleinanleger ist es schwierig bis unmöglich das Risiko einer Anleihe komplett selbst einzuschätzen. Um dennoch ein Urteil fällen zu können, gibt es unabhängige Ratingagenturen, die aufwändige Bonitätsprüfungen durchführen und die Kreditwürdigkeit in ein bestimmtes Schema einordnen. Die bekanntesten Ratingagenturen sind Standard & Poor‘s, Moody’s und Fitch. Diese vergeben mit Buchstaben versehen Benotungen für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Die Topnote ist dabei AAA, die schlechteste Bewertung ist D bzw. bei Moody’s C. Bei der Bewertung von deutschen Mittelstandsanleihen haben die amerikanischen Ratingagenturen bislang noch nicht richtig Fuß fassen können. Die wichtigsten Agenturen in diesem Segment sind Creditreform, Scope und Euler Hermes.

Ein Rating mit der Topnote AAA bedeutet nicht, dass ein Emittent nicht insolvent gehen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei einer AAA-Anleihe zumindest in der Theorie jedoch geringer als bei einer AA-Anleihe. Die Idee hinter dem Rating ist also, dass die Kreditwürdigkeit eines mit AAA bewerteten Unternehmens besser ist, als die eines mit BB bewerteten. Eine wichtige Schwelle ist dabei das Rating BBB-. Bis dorthin wird von einem Investment-Grade gesprochen. Darunter spricht man von Speculative Grade. Bei Anleihen mit einem Rating von besser als BBB- spricht man von High-Grade-Unternehmensanleihen. Bei diesen Anleihen gibt es eine gute bis sehr gute Kreditwürdigkeit und damit ein äußerst geringes Insolvenzrisiko. Anleihen mit einem schlechteren Rating als BBB- werden High-Yield oder auch Low-Grade-Bonds bezeichnet. Manchmal aber auch Jung- Bonds oder, auf Deutsch, Schrottanleihen.

Da das Insolvenzrisiko einer Anleihe mit schlechten Rating höher ist, sollte als Ausgleich auch der Coupon höher sein als bei einer Anleihe mit einem guten Ranking. In der Praxis ist das nicht immer der Fall, weil der Coupon letztlich auch ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage ist. Bei bekannten Mittelstandsunternehmen liegt der Coupon oft unter dem von weniger bekannten Unternehmen, auch wenn diese eine bessere Bonität vorweisen.

Ein Rating bleibt dabei nicht immer gleich, sondern kann sich während der Anleihelaufzeit ändern. Her kann man beispielsweise zwischen „Fallen Angels“ und „Born Junk Bonds“ unterscheiden. Fallen Angels sind, wie der Name schon impliziert, gefallene Engel, also Anleihen, die anfangs ein gutes Rating hatten und sich dann von ihrem Investment Grade auf Speculative Grade verschlechtert haben. Das zunächst geringe Risiko hat sich also vergrößert. Born Junk Bonds waren schon bei ihrer Emission Speculative Grade.

Covenants

Ein anderer wichtiger Blick bei der Risikoanalyse geht in die sogenannten Covenants oder Kreditvereinbarungsklauseln. Sie befinden sich in den Geschäftsbedingungen einer Anleihe. Covenants sind Vertragsklauseln, die den Anlegern zusätzliche Sicherheiten geben sollen. Die Gläubiger sollen frühzeitig eine Liquiditätskrise erkennen können. Affirmative oder positive Covenants verpflichten den Schuldner zur Einhaltung bestimmter Zielvorgaben. Negative Covenants sind Bestimmungen, die aussagen, dass der Schuldner bestimmte Handlungen nicht vollziehen darf. Informative Covenants zwingen den Schuldner zu bestimmten Informationspflichten. Sogenannte Change-of-Control-Klauseln räumen den Investoren das Recht ein, im Falle eines Eigentümerwechsels des Schuldners die Anleihe zu einem vereinbarten Kurs zurückgeben zu können. Das ist gerade bei eigentümergeführten Unternehmen wichtig, da der Inhaber entscheidend zum Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens beitragen kann. Wenn das Unternehmen eine Change-of-Control-Klausel gewährt, dann wird das als Zeichen gewertet, dass der Eigentümer an Bord bleiben wird. Eine sogenannte Cross-Default-Klausel besagt, dass ein Emittent auch dann schon vertragsbrüchig wird, wenn er dir zwar alle Vereinbarungen erfüllt hat, allerdings gegenüber anderen Gläubigern vertragsbrüchig geworden ist. Financial Covenants verpflichten den Schuldner zur Einhaltung bestimmter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen. Beispielsweise werden oft bestimmte Maximalwerte zwischen Einnahmen (EBIT) und Zinsaufwand festgelegt oder ein maximaler Verschuldungsgrad. Ziel dabei ist es, sicherzustellen, dass der Emittent liquide bleibt und die Gefahr einer Insolvenz verringert wird. In den Anleihebedingungen ist normalerweise festgelegt, dass der Emittent einmal im Jahr eine Bestätigung abgeben muss, dass er alle Covenants eingehalten hat. Sollte eine Verletzung der Covenants stattgefunden haben, dann stehen dir als Anleger bestimmte rechtliche Schritte zu, die bis zu einer Kündigung der Anleihe reichen können.

Anleihen-ETFs

Anleihen sind also mitunter eine sehr komplizierte Angelegenheit. Fast noch mehr als bei anderen Anlageformen geht es darum, möglichst viel Informationen über die Anleihe und den Emittenten zu bekommen, um einschätzen zu können, ob die Risiken kontrollierbar sind. Wenn dir das zu kompliziert ist, dann wäre eine Alternative für dich einen sogenannten ETF, also einen börsengehandelten Indexfonds, der auf Anleihen basiert, zu kaufen. Dort hast du gleich einen ganzen Korb an Anleihen mit drin. Aber auch hier ist es wichtig genau hinzuschauen.

Schauen wir uns zum Beispiel einmal den populären Core Euro Government Bond UCITS ETF von iShares an. Das ist ein ETF, der aus Staatsanleihen aus der Eurozone besteht. Unterm Strich also eine Auswahl an Länder, die als recht sicher gelten. Das Portfolio hat einen durchschnittlichen Coupon von 2,8%. Im Vergleich also deutlich mehr als Tagesgeld, aber auch deutlich weniger als ein durchschnittliches Aktienportfolio. Schauen wir uns dann mal an, welche Länder wie gewichtet sind: Die Top 4 Positionen sind Frankreich und Italien mit jeweils ungefähr 24%, dann kommt Deutschland mit knapp 17% und an Position vier Spanien mit knapp 14%. Wir erinnern uns an die Finanzkrise: Italien war am wanken, ebenso Spanien und Frankreich war auch kein Hort der ultimativen Sicherheit. Das heißt, dass allein durch diese drei Positionen schon 62%, also knapp 2/3 des Gesamtportfolios mit Anleihen von Staaten gefüllt sind, die in der jüngeren Vergangenheit massive Probleme hatten. IShares hat in diesem Fall aber auch keine große Alternative, denn sie müssen ja eine vernünftige Rendite kreieren. Und die gibt es einfach nicht allein mit Bundesanleihen, sondern man muss auch risikoreichere Kandidaten heranziehen.

Fazit

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Anleihen

  1. sehr kompliziert und schwierig zu durschauen sind. Nicht nur muss man den Emittenten sich genau anschauen, sondern es ist mindestens genauso wichtig, sich die Bedingungen der Anleihe gut durchzulesen.
  2. Sind Anleihen alles andere als sicher oder risikolos. Ein Kapitalverslust ist ebenso möglich wie bei anderen Anlageformen. Damit sollte man auch nicht per se Anleihen als den risikofreien Teil des Depots deklarieren.

Minimieren kannst du das Risiko mit Wissen. Das Risiko hängt maßgeblich davon ab, wem man sein Geld gibt. Warren Buffett sagte einmal: „Risiko entsteht, wenn du nicht weißt, was du tust.“ Insofern können Anleihen ein sinnvoller Bestandteil eines Portfolios sein, es ist aber Vorsicht bei der Auswahl geboten.

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