Kryptowährungen

Kaum eine andere Anlageklasse genießt derzeit eine vergleichbare Medienpräsenz wie das „digitale Geld“. Je nach dem wie sich der Kryptomarkt entwickelt, wechselt die Berichterstattung zwischen Hype und Fatalismus. Während es in der einen Woche nahezu ausgeschlossen scheint, dass Preise für Kryptowährungen sich auch eine andere Richtung als nach oben entwickeln können, steht in der anderen Woche der finale Crash unmittelbar bevor. Fürsprecher von Kryptowährungen sehen in ihnen die Zukunft des Finanzsystems, Kritiker sehen in ihnen einen riesigen Betrug und Freifahrtschein für Verbrechen. Grund genug, das Ganze etwas näher zu beleuchten.

Warum gibt es Kryptowährungen?
Kryptowährungen sind noch relativ jung. Sie wurden erst im Jahr 2008, also vor knapp 10 Jahren, erfunden. 2008 war das Jahr, in dem die Finanzkrise mit voller Härte zuschlug und unser Finanzsystem an den Rand des Abgrunds brachte. Als eine der Problemquellen machte man die sogenannten „Single Points of Failure“ aus. Das bedeutet, dass es in unserem zentral geregelten Finanzsystem Institutionen gibt, die die Macht haben, den Markt manipulieren zu können. Damit sind vor allem Zentralbanken gemeint, die Geld vermehren oder vom Markt nehmen können.

Kurz nachdem die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Pleite gegangen ist und damit die Weltfinanzkrise ausgelöst hat, erschien im Internet ein Aufsatz mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Der Autor nannte sich Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt ist bis heute nicht geklärt. In dem Aufsatz wurden sehr detailliert die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen einer digitalen Währung beschrieben, bei der Überweisung direkt von einem Teilnehmer zum anderen (Peer-to-Peer) und damit ohne Zwischenhändler (z.B. Banken) erfolgen sollte. Zur Sicherheit sollten dabei kryptografische Technologien eingesetzt werden. Nakamoto gab dieser Währung eine Reihe von wichtigen Eigenschaften: Sie sollte teilbar, sicher, allgemeingültig, transportierbar und begrenzt sein. Der große Wurf war aber, dass die Währung dezentral gesteuert werden sollte. Zentrale Aufsichtsorgane wie Zentralbanken, Behörden oder andere Organisationen waren in dem System nicht mehr notwendig. Der Single Point of Failure wurde damit aus dem System verbannt. Der Währung gab Nakamoto den Namen Bitcoin. Die dahinterliegende Technologie wurde Blockchain-Technologie genannt.

Um zu verstehen wie Kryptowährungen funktionieren, müssen wir also als nächstes uns anschauen, was sich hinter dieser Technologie verbirgt.

Was ist eine Blockchain?
In einem zentralisierten System gibt es eine zentrale Kontrollinstanz, die darüber wacht, dass keine Manipulation stattfindet. Bei einer Währung ist das die Zentralbank, bei einer Überweisung ist es die Bank, bei einem Grundbuch das Grundbuchamt. Das funktioniert solange gut, solange wir der zentralen Instanz vertrauen. Was aber, wenn dieses Vertrauen fehlt?
Bei einer Blockchain wird die zentrale Kontrollinstanz durch ein dezentrales Kontrollsystem ersetzt. Du kannst dir also eine Blockchain als ein digitales Grundbuch vorstellen, in dem steht, wer was besitzt. In einer Blockchain werden also Zustände beschrieben.

Stell dir ein Blatt Papier vor. Das nennen wir Block. Auf ihm schreiben wir auf, wer wieviel Teile eines Bitcoins besitzt. Wenn nun eine Transaktion getätigt wird, also Geld verschickt wird, ändern sich die Besitzverhältnisse. Diese werden wiederum auf dem Block notiert. Der Block ist für alle Teilnehmer im Netzwerk sichtbar, die Namen der jeweiligen Personen werden jedoch nicht festgehalten, sondern lediglich eine anonymisierte Adresse. Die Transaktion ist damit für jeden sichtbar, man weiß aber nicht, wer dahintersteht. Der Block wird an alle Teilnehmer des Netzwerks verschickt. Diese sind dann aufgefordert, die Transaktion zu bestätigen. Stimmen mindestens 51% der Teilnehmer zu, dann ist die Transaktion bestätigt. Es entsteht ein sogenannter Konsens. War eine Transaktion nicht korrekt, weil zum Beispiel jemand den selben Bitcoin an zwei verschiedene Personen verschickt hat, bleibt die Bestätigung aus und die Transaktion wird nicht durchgeführt. Letztlich handelt es sich also um eine Mehrheitsabstimmung.
Nach einer festgelegten Zeit (bei Bitcoin sind das 10 Minuten) wird der Block genommen und an alle vorherigen Blöcke angehängt. Dadurch entsteht eine Kette von Blöcken oder, auf Englisch, eine Blockchain. Die Blöcke sind von nun an untrennbar miteinander verbunden. In dieser Kette sind damit alle Transaktionen, die seit Beginn der Kette getätigt wurden, transparent und dauerhaft notiert. Je mehr Zeit vergeht (und damit je weiter unten der Block mit deiner Transaktion liegt), desto sicherer ist die Transaktion. Jemand, der eine Transaktion in Frage stellen oder gar manipulieren wöllte, müsste ja eben auch alle drauf folgenden Transaktionen abändern. Je mehr Transaktionen nach dieser kommen, desto mehr Aufwand wäre damit verbunden. Der Aufwand um eine Transaktion abzuändern ist jedoch bereits nach kurzer Zeit um einiges höher als der Profit, der dadurch zu erreichen wäre. Es wäre also schlicht unwirtschaftlich. Um wirklich sicher zu gehen, dass mit deiner Transaktion alles in Ordnung ist, solltest du 3-4 Blöcke abwarten. Eine sichere Transaktion dauert im Fall von Bitcoin also ca. 30-40 Minuten. Auf der Website blockexplorer.com kannst du dir mal einen Block anschauen und die Transaktionen und Bestätigungen beobachten.

Wie wird ein Block hergestellt?
Ein Block für die Blockchain wird von sogenannten Minern, also „Schürfern“, hergestellt. Das kann prinzipiell jeder werden. Alles was du dafür brauchst ist ein Computer und die Bitcoin-Software. Schon hast du deine persönliche Bitcoin-Mine. Um einen Block zu erzeugen, muss der Computer eine Art mathematisches Rätsel lösen. Dabei handelt es sich um eine sehr schwierig zu lösende mathematische Aufgabe, deren Antwort in jedem Block unterschiedlich ist. Letztlich ist es also ein Wettbewerb darum, wer als Erster die Antwort auf die im Block gestellte Aufgabe nennt.

Wenn du den Block gewinnst, dann bekommst du zwei Belohnungen. Zum einen bekommst du in Zukunft die Gebühren der Transaktionen, die über diesen Block abgewickelt werden. Im Fall von Bitcoin bekommt der Miner derzeit noch 12,5 Bitcoins oben drauf.

Nun wurde aber, wie oben beschrieben, die maximale Anzahl von Bitcoins auf maximal 21 Millionen begrenzt. Ähnlich wie bei Gold ist das „Vorkommen“ an Bitcoins also endlich. Entsprechend wird es immer schwieriger, Bitcoins zu schürfen. Das wird dadurch erreicht, indem die Schwierigkeit des mathematischen Rätsels automatisch angepasst wird. Im Durchschnitt werden sechs Blöcke pro Stunde erzeugt. Alle 2016 Blöcke, also ungefähr alle zwei Wochen, wird die Schwierigkeit angepasst, damit dieser Wert weiter erreicht wird. In der Praxis heißt das, dass die Rätsel immer schwieriger werden. Ungefähr im Jahr 2140 wird dann der letzte Bitcoin geschürft sein. Da die Geldmenge begrenzt ist, muss sich auch die Belohnung für jeden geschürften Block mit der Zeit reduzieren. Das wird alle vier Jahre gemacht. Ursprünglich hat man 50 Bitcoin bekommen, dann 25, derzeit 12,5 und im Sommer 2020 wird wieder halbiert auf 6,25. Im Jahr 2140 ist dann Schluss.

Während es also anfangs noch relativ einfach war, einen Bitcoin zu schürfen, ist es heute schon um einiges schwieriger. Die Rätsel sind bereits so schwer, dass du mit deinem privaten Computer kaum noch eine Chance hast. Letztlich bestimmt nämlich die Rechenleistung die Wahrscheinlichkeit, dass du den Block gewinnst. Mittlerweile haben nur noch große und leistungsfähige Computerfarmen oder Zusammenschlüsse von vielen Minern eine realistische Chance auf das Gewinnen eines Blocks. Leistungsfähige Computer benötigen viel Strom. Der weltweite Energieverbrauch für das Mining von Bitcoins liegt bei ungefähr 29 Terawattstunden (TWh) und überschreitet damit den von ganz Argentinien.

Der Gedanke hinter dem Mining-Verfahren ist, dass durch die Verknappung und die Herstellungskosten der Bitcoin einen Basiswert bekommt. Damit soll verhindert werden, dass der Bitcoin-Preis gegen Null geht. Wenn die Herstellungskosten nämlich die Erträge überschreiten, dann würden die Menschen aufhören zu minen und das Angebot an Bitcoins würde sich weiter verknappen. Aufgrund der hohen Stromkosten lohnt sich das Minen in unseren Gefilden bereits heute schon nicht mehr. Die größten Mining-Farmen befinden sich in China. Dort befinden sich bis zu 2/3 der Rechenkapazitäten für das Bitcoin-Mining. Dort steht, nach dem Willen der chinesischen Regierung, das Mining aber vor dem Aus und soll verboten werden.

Was ist nun eine Kryptowährung?
Kryptowährungen sind Anwendungen einer Blockchain. Hier wird in der Blockchain festgehalten, wer wieviel Anteile einer Währung hält und wer an wen etwas verschickt. Durch die Blockchain-Technologie ist das ganze System sehr sicher und praktisch unmöglich zu knacken. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) es keine Zwischenhändler gibt, kann man Geld sehr sicher global transferieren.

Welche Kryptowährungen gibt es?
Mittlerweile gibt es über 1500 verschiedene Kryptowährungen (Stand Februar 2018). Das Problem dabei ist, dass 95 % davon Abzocken (sogenannte Scams) sind. Sie sind keine echten dezentralen Währungen, sondern werden irgendwo zentral gesteuert und können von heute auf morgen dicht gemacht werden. Du hast dann einen Totalverlust.

Eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Kryptowährung seriös ist, ist ein Blick auf die Website coinmarketcap.com. Dort sind die größten 500 Kryptowährung in der Rangfolge ihrer Marktkapitalisierung aufgelistet. Je weiter man nach unten geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Betrug handelt. Nahezu sicher handelt es sich um einen Betrug, wenn man für eine „Währung“ geworben wird. Eine Kryptowährung kann per Definition keine Provision auszahlen.

Die bekannteste und auch größte Kryptowährung ist der Bitcoin. Auf Platz zwei folgt Ethereum, gefolgt von Ripple, dem Bitcoin-Ableger Bitcoin Cash und Cardano. Andere bekannte Kryptowährungen sind beispielsweise Litecoin, IOTA, Dash oder Monero.


Viele, aber nicht alle Kryptowährungen basieren auf Blockchains. Mittlerweile gibt es auch einige Weiterentwicklungen.
Ein Vertreter der zweiten Generation ist Ethereum. Ethereum nutzt die Kryptowährung Ether und basiert auch auf Blockchain-Technologie. Diese wurde allerdings weiterentwickelt und dient auch als Plattform für Anwendungen, die aus sogenannten Smart Contracts bestehen. Das sind automatische Verträge, die bei bestimmten Ereignissen in Kraft treten. Damit können also digitale Verträge geschlossen werden, wenn bestimmte „wenn…dann“-Bedingungen erfüllt sind.

IOTA ist ein Vertreter der 3. Generation von Kryptowährungen. IOTA basiert dabei nicht auf einer Blockchain, sondern auf einem sogenannten Tangle. Die Idee dahinter ist, dass jeder, der eine Transaktion tätigt, zunächst zwei andere Transaktionen bestätigen muss. Dadurch sind unbegrenzt viele und komplett kostenlose Transaktionen möglich. Je mehr Leute am System teilnehmen, desto sicherer und schneller werden Transaktionen, weil sie von mehr Leuten bestätigt werden. IOTA fokussiert sich dabei vor allem auf das sogenannte Internet der Dinge. Es geht darum, dass Maschinen über IOTA direkt miteinander kommunizieren und Zahlungen tätigen können. Wenn du also mit deinem Auto in einem Parkhaus geparkt hast und dieses wieder verlässt, dass soll das Auto direkt mit dem Parkhaus deine Parkgebühr über IOTA abrechnen.

Was ist eine Kryptowährung wert?
Das ist die goldene Frage. Kryptowährungen sind noch sehr jung. Sie sind eine komplett neue Anlageform. Entsprechen auseinander gehen die Expertenmeinungen. Die einen sprechen von einem Wert von einer Million Euro pro Bitcoin, die anderen sprechen von Null. Die einen sprechen von einem Wert von einer Million Euro pro Bitcoin, die anderen sprechen von Null und vergleichen den Krypto-Hype mit der Tulpenblase im 16. Jahrhundert oder der New Economy Blase.

Wichtig ist es, zwischen Wert und Preis zu unterscheiden. Der Preis ist, was du für eine Einheit der Währung bezahlst. Also die Schnittstelle von Angebot und Nachfrage. Der Wert ergibt sich aus dem künftigen Ertrag. Mitunter kann es vorkommen, dass Wert und Preis nicht übereinstimmen.
Heute kostet ein Bitcoin ca. 10.000 €. Vor ein paar Wochen kostete er sogar knapp 20.000 €. Der Preis hat sich also innerhalb einer kurzen Zeit halbiert. Hat sich der Wert auch halbiert? Noch ist es schwierig bis unmöglich den wahren Wert einer Kryptowährung zu bestimmen. Kryptowährungen produzieren keinen Cashflow und zahlt auch keine Zinsen. Entsprechend kann man eine Kryptowährung auch nicht wie Aktien oder Anleihen bewerten.

Der Wert einer Währung liegt primär im Vertrauen. Ein Geldschein an sich hat auch kaum einen materiellen Wert. Es bekommt seinen Wert, weil man darauf vertraut, dass man ihn mit einer gewissen Stabilität für Waren eintauschen kann. Gold hat einen Wert, weil es über Jahrhunderte als Tauschmittel anerkannt ist. Die Menschen vertrauen darauf, dass dies auch künftig der Fall sein wird.

Was könnte also der Wert einer Kryptowährung sein? Das wird letztlich entscheidend davon abhängen, ob und wie die Währung genutzt wird. Eine Kryptowährung kann eine noch so spannende Technologie sein, wenn es keine Anwendung dafür gibt, dann wird ihr Wert langfristig gegen Null gehen. Stand heute hat lediglich der Bitcoin eine gewisse Anwendungsform. Vereinzelt kann man mit ihm Waren bezahlen. Hat IOTA eine Anwendung? Nein. Ist der Wert von IOTA also Null? Das hängt davon ab, ob IOTA in Zukunft angewendet werden wird. Wenn man also eine Kryptowährung kauft ist es in nahezu allen Fällen eine Wette darauf, dass Unternehmen Anwendungsmöglichkeiten für die entsprechende Währung schaffen.

Was wären mögliche Anwendungen? Zunächst einmal könnten Bitcoin und Co. – wie der Name auch schon sagt – zu einer Währung aufsteigen, mit der man Waren und Services bezahlen kann. Ob dies möglich sein wird hängt unter anderem von der Frage ab, ob Kryptowährungen langfristig an Stabilität gewinnen. Derzeit sind die Ausschläge nach oben und unten extrem. Auch muss technisch die sogenannte Skalierung geklärt werden. Das Problem hat insbesondere Bitcoin. Die Transaktionen pro Block sind begrenzt. Entsprechend lange dauert es, wenn viele Personen an dem System teilnehmen. Hier hat beispielsweise IOTA einen Vorteil, da durch das Tangle-System theoretisch unbegrenzt viele Transaktionen pro Sekunde möglich sind.

Kryptowährungen könnten auch eine Art Wertspeicher werden. Eine Art digitales Gold. Gerade in Ländern mit hoher Inflation könnten Kryptowährungen eine interessante Alternative werden, um die Kaufkraft zu erhalten.

Und letztlich könnten Kryptowährungen auch die Basis für ganz neue Technologien werden. Ethereum oder IOTA können deutlich mehr als eine klassische Währung. Sie könnten die Basis für dezentralisierte Anwendungen werden.

Welche Kryptowährung sich letztlich durchsetzt und was ihr langfristiger Wert sein wird, steht derzeit also noch in den Sternen und wird maßgeblich davon abhängen, welchen Nutzen die Währungen in Zukunft bringen können.

Wie kauft und verkauft man Kryptowährungen?
Kryptowährungen kauft man online über Krypto Börsen. Im deutschsprachigen Raum ist bitcoin.de eine der größten Börsen. International sind Kraken, Binance, Coinbase, Bitstamp oder Bitfinex die großen Spieler. Prinzipiell sind dabei zwei Arten von Börsen zu unterscheiden:
– Börsen, auf denen man Kryptowährungen mit Euros oder anderen klassischen Währungen kaufen kann. Dazu gehören zum Beispiel Kraken, bitcoin.de oder Coinbase und
– Börsen, auf denen Kryptowährungen mit anderen Kryptowährungen gekauft werden können. Zum Beispiel Binance oder Bitfinex.

Die Registrierung auf einer Börse, an der du mit Euros Kryptowährungen kaufen kannst ist vergleichbar mit der bei einer Online-Direktbank. Du musst dich registrieren und identifizieren, indem du z.B. einen Scan deines Personalausweises hochlädst. Ein Account bei einer Kryptobörse ist im Normalfall kostenlos. Du darfst jedoch pro Börse nur ein Account besitzen. Gebühren fallen beim Kauf von Währungen an oder beim Umtausch zurück in klassische Währungen.

Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen müssen übrigens versteuert werden. Da sie in Deutschland nicht als offizielles Zahlungsmittel anerkannt sind, gelten sie als privates Veräußerungsgeschäft. Dafür gibt es eine Freigrenze von 600 Euro pro Jahr. Alles darüber hinaus muss mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wenn man die Währung allerdings für länger als ein Jahr gehalten hat, dann bleiben die Gewinne steuerfrei.

Wo lagert man Kryptowährungen?
Kryptowährungen werden in einem sogenannten Wallet, also einer digitalen Brieftasche, gehalten. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

Die reine Form ist ein dezentraler Wallet, der sich auf deiner Festplatte, deinem Handy oder auf einem USB-Stick befindet. Ein Wallet ist nicht abgeschlossen, sondern funktioniert wie ein offener Safe. Die Sicherheit liegt darin, dass es eine unglaublich große Menge an Wallets gibt und niemand weiß, in welchem Safe etwas drin ist.
Wenn du die Software des Wallets zum ersten Mal startest, dann richtest du deinen Wallet ein. Dazu sucht sich der Wallet eine zufällig gewählte Zahl zwischen 1 und 2^16, welche dann deine für alle sichtbare Kontonummer wird. Es gibt also genau 1.461.501.637.330.902.918.203.684.832.716.283.019.655.932.542.976 mögliche „Kontonummern“. Ein Erraten deines Schlüssels ist bei dieser Menge sehr unrealistisch. Deine zufällig kreierte Zahl ist dein persönlicher Schlüssel. Der sogenannte Private Key. Dieser wird meistens umcodiert in eine Wortfolge mit 8-24 Wörtern. Diesen Schlüssel darf man unter keinen Umständen weitergeben. Sonst weiß die Person sofort, welches Konto man hat und kann es leerräumen. Man sollte den Private Key also am besten nicht digital abspeichern, sondern auf Papier schreiben und dieses sicher ablegen. Verliert man den Schlüssel, kennt man sein Konto nicht mehr und das Geld ist weg. Eine Wiederherstellung ist nicht möglich.

Eine Alternative ist die Nutzung der Wallets, die in dein Konto bei einer Kryptobörse integriert sind. Hier bekommst du den Private Key erst gar nicht zu sehen, sondern du loggst dich mit deinen Einlogdaten ein. Es ist schon vorgekommen, dass Kryptobörsen gehackt wurden und Geld „gestohlen“ wurde. Der bekannteste Fall war die japanische Börse Mt.Gox. Hackern gelang es, insgesamt 650.000 Bitcoins zu stehlen. Diese haben heute immerhin einen Wert von 6,5 Milliarden Euro. Entsprechend wichtig ist es also für Börsen, ihre Plattform abzusichern.
Letztlich musst du für dich entscheiden, was du für das kleinere Risiko hälst: Dass du den Schlüssel verlierst oder dass deine Börse gehackt wird.

Bitcoin Futures

Anfang Dezember 2017 haben die amerikanischen Börsen CME und CBOE sogenannte Futures auf Bitcoins angekündigt. Angelaufen sind sie zwei Wochen später. Für die Welt der Kryptowährungen war das eine große Sache. Zum ersten Mal sind Kryptowährungen in der klassischen Börsenwelt angekommen.

Bei einem Future vereinbart man heute einen Preis, zu welchem die Ware an einem bestimmten Tag in der Zukunft geliefert wird. Ihren Ursprung haben Futures eigentlich in der Welt der Rohstoffe, wo zum Beispiel Bauern vorab einen Preis für die Abnahme ihres Getreides aushandeln, um Planungssicherheit zu haben.

So ein Bitcoin-Future ist nicht direkt mit dem Bitcoin verbunden. Er ist letztlich eine Wette auf die Wertentwicklung. Nun gibt es Vor- und Nachteile von diesen Futures. Auf der einen Seite könnten Markteilnehmer, die auf eine bestimmte Wertentwicklung wetten, versuchen, durch Käufe oder Verkäufe den Bitcoin-Preis in diese Richtung zu drücken. Dadurch können die Kurse kurzfristig noch mehr schwanken, als sie es ohnehin tun. Die Volatilität der Preise wird also erhöht. Genau das vermuten Experten als einen Grund hinter dem starken Preisanstieg vor Weihnachten 2017 und dem Wertverfall Anfang 2018.

Langfristig könnten sich Bitcoin-Futures aber auch sehr positiv auf die Welt der Kryptowährungen auswirken. Man muss nun nicht mehr aktiv Bitcoins kaufen, um am Markt teilzunehmen. Dadurch kann die Zahl an Teilnehmern am Markt noch einmal massiv vergrößert werden. Durch diese wiederum fließt immer mehr Kapital in das System. Wenn mehr Kapital im System vorhanden ist, werden die Kurse auch weniger anfällig für Schwankungen, weil einzelne Käufe oder Verkäufe weniger Einfluss auf das Gesamtkonstrukt haben. Langfristig könnten die Futures also auch die Volatilität verringern.

Warum haben Kryptowährungen einen so schlechten Ruf?
Als mit Abstand der größte Vertreter bezieht sich die Kritik an Kryptowährungen meistens auf den Bitcoin. Auf die Frage nach dem wahren Wert sind wir ja bereits eingegangen.
Ein anderer Hauptkritikpunkt an Bitcoin ist, dass er zur Finanzierung von Kriminalität und Terrorismus dienen soll. Im August 2015 veröffentlichte „die Welt“ einen Artikel mit der Überschrift „Wer Bitcoins nutzt, ist meist ein Krimineller“. Das Hauptargument war, dass Bitcoins anonym seien und so auch illegale Waren gekauft werden können.

Als Beispiel wird gerne die Online Handelsplattform „Silk Road“ angeführt, die im Herbst 2013 geschlossen wurde. Auf ihr konnte man durch das anonyme Tor-Netzwerk vorwiegend Drogen kaufen. Bezahlen konnte man in Bitcoins. Nun ist es unbestreitbar, dass Bitcoins auch für illegale Tätigkeiten genutzt wurde und wird. Fairerweise muss man sich aber auch anschauen, was Bitcoin ist: Es ist eine Form zu bezahlen. Wie Bargeld. Im Moment der Transaktion ist man anonym. Wie beim Bargeld. Beim ursprünglichen Kauf muss man sich identifizieren. Wie bei der Eröffnung eines Bankkontos. Wenn also jemand eine kriminelle Tat begehen möchte, kann er den Bitcoin dafür nutzen wie er auch Bargeld dafür nutzen kann. Das Bargeld macht ihn aber ebenso wenig wie der Bitcoin zum Kriminellen. Die Anzahl derer, die kriminell mit Bitcoins umgehen dürfte daher ähnlich groß sein, wie im realen Leben.
Der Spiegel meldete kurz vor Weihnachten, dass BaFin und Bundesbank vor einem Totalverlust bei Bitcoins warnen. Das ist ohne Zweifel richtig. Ein Totalverlust ist möglich. Er ist aber auch bei anderen Anlageformen möglich. Selbst bei vermeintlich sicheren Anlageformen wie Tagesgeld oder Anleihen ist ein Totalverlust möglich. Davor warnt die Bundesbank jedoch nicht.
Es ist vollkommen klar, dass Kryptowährungen eine sehr spekulative und risikoreiche Anlageform sind. Gleichzeitig lohnt es sich aber auch zu schauen, aus welcher Ecke die Kritik kommt. Oftmals kommt sie seitens Banken, Regierungen oder Zentralbanken. Wie wir ja gelernt haben, alles Institutionen, die massiv an Macht verlieren würden, sollten sich Kryptowährungen in der Masse durchsetzen.

Welche Gefahren können lauern?
Natürlich gibt es bei Kryptowährungen Gefahren, denen du dir bewusst sein musst.

Die Volatilität zählt ohne Frage dazu. Der Markt ist heftigen Preisschwankungen ausgesetzt. Während der Preis eins Bitcoins im Jahr 2017 um sagenhafte 1500 Prozent gestiegen ist, hat er in den vergangenen drei Wochen um fast 50% nachgegeben. Gut für das Herz ist das nicht. Zumindest dann nicht, wenn du eine relevante Summe und nicht nur „Spielgeld“ in Kryptowährungen investiert hast.

Ein weitere Grund für den Kurssturz Anfang 2018 waren Diskussionen in China und Südkorea, beides Hochburgen von Kryptowährungen, gegen diese vorzugehen. Nun kann eine Kryptowährung per Definition nicht verboten werden. Es ist ja ein dezentrales System, welches nicht zu überwachen ist. Staaten können aber an den Schnittpunkten zur Realwirtschaft ansetzen. Man könnte beispielsweise den Umtausch von klassischen Währungen in Kryptowährungen verbieten. Das war kurzfristig der Plan von Südkorea. Man könnte auch Kryptowährungen als Zahlungsoption verbieten. Oder, und das ist der Plan Chinas, man könnte das Schürfen von Kryptowährungen verbieten.

Der Kryptowährungsmarkt ist immer noch sehr jung. Viele vergleichen ihn mit dem Stand des Internets im Jahre 1996. Entsprechend unreguliert ist der Markt auch noch. Das kann zu Exzessen und Gefahren führen. Sollte der Markt also reguliert werden? Immerhin definieren sich ja Kryptowährungen auch dadurch, dass sie unabhängig von zentralen Institutionen sind. Nun, für viele Kryptonerds wäre eine staatliche Regulierung in der Tat vollkommen gegen den Geist des Ganzen. Auf der anderen Seite könnte sie aber auch dazu führen, die Exzesse aus Kryptowährungen zu nehmen und sie dadurch salonfähig machen.

Fazit
Kryptowährungen sind eine faszinierende neue Technologie, die vielleicht auch gerade deswegen spannend sind, weil sie sehr durchdacht und letztlich auch etwas sagenumworben sind. Ob sie in der Lage sind, erwachsen zu werden, wird sich zeigen. Das ganze System muss nicht noch weiterentwickeln, einfacher und intuitiver werden. Diese Weiterentwicklung verläuft sehr schnell. Es gibt derzeit sicherlich andere Anlageformen, die stabiler, weniger spekulativ und einfacher zu tätigen sind. Ob und wieviel du in Kryptowährungen investierst kannst also letztlich nur du selbst entscheiden.

 

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